Kommentar - PRAKTI.COM

Das Google Gefudel
Eine nicht unübliche Praktik bei der Finanzierung teurer Filmproduktionen ist die Generierung von finanziellen Mitteln aus der Wirtschaft. Dies geschieht in Form von Sponsoring, wie bei Promoaktionen des fertigen Produktes, als Productplacement, beispielsweise wenn in einem Sci-Fi-Movie das coolste Hightech-Equipment eines namhaften Computerhersteller ins rechte Licht gerückt wird oder auch als sogenannte Schleichwerbung, bei der es keine offiziellen vertraglichen Bindungen gibt. Dem gegenüber steht das klassische Marketing, der Werbespot. Wie der Name schon preisgibt, handelt es sich dabei um Filmchen in einer Länge von ca. zehn Sekunden bis hin zu zwei Minuten, je nachdem für welches Medium diese nun eingesetzt werden. Der Fall jedoch, dass ein Werbefilm eine Spielzeit von zwei Stunden aufweist und darüber hinaus der Kunde auch noch zur Kasse gebeten wird diesen zu sehen, dürfte wahrlich ein Exot sein.
Bild von Prakti.ComNicht so aber im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, in einem Land wo die Augen verschlossen werden vor sozialer Ungerechtigkeit, einem Land, dass diesem mit dem immerwährenden Prinzip "vom Tellerwäscher zum Millionär" entgegen tritt und in einem Land, in dem die mächtigen Konzerne ihre Absichten schon längst nicht mehr unter dem Deckmantel der Verschleierung demonstrieren, sondern sich ganz klar positionieren bei der direkten Einflussnahme auf Volkes Bestimmung. Und genau so verhält es sich bei PRAKTI.COM. Die Botschaft die hier gesendet wird könnte lauten: Du sollst nicht lieben deine Familie oder Freunde, wenn du lieben kannst deinen Job bzw. deine Firma. Soziale Kontakte, Freizeit, all das, was das Leben neben dem Beruf ausmacht, muss eben nicht neben diesem existieren, so wohl die Maxime von Google. Denn was die Arbeitsbiene kann, an dem Ort ihres produktiven Schaffens gleichzeitig auch zu leben, muss doch ebenso auf den Menschen übertragbar sein.
Nun würde Google seine Mitarbeiter gewiss nicht als Drohnen bezeichnen, denn viel zu negativ ist die Assoziation die man damit verbindet. Darüber hinaus gilt der Google-Konzern als einer der "besten" Arbeitgeber der Welt. Hier fließen Beruf und Freizeit ineinander, hier kannst du schlemmen was dein Herz begehrt, wenn es die Kantine hergibt. Hier kannst du entspannen, die Seele baumeln lassen, denn für Ablenkung ist genug gesorgt. Klingt doch nach dem reinsten Schlaraffenland und so wird es in dem Film an vielen Beispielen auch gezeigt. Aber ohne Fleiß kein Preis, dieses Prinzip dürfte wohl auch bei Google gelten. Da aber die raffinierte Marketing-Maschine lediglich all die Vorzüge anpreist, nebst schillernden Farben und fröhlichen Gesichter allerorten, fällt es gewiss nicht schwer sich die Sinne vertrüben zu lassen. Wie die Wirklichkeit hinter den Kulissen aber aussieht, darüber ließe sich nur spekulieren.
Der geneigte Zuschauer jedoch, sollte gewarnt sein, denn Werbung will dir immer etwas verkaufen. Ob du es brauchst, ob du es willst oder ob du es schon hast, das spielt alles keine Rolle. Für Firmen zählt einzig der Verkauf auch wenn es sich dabei ,wie in diesem Google-Werbefilm, eher um ein immaterielles Gut handeln mag. Aber ein gutes Image, tolle Stimmung und ein Wir-Gefühl sind in der heutigen Zeit ebenfalls Gold wert. Daher sollte man sich vorab schon genau überlegen, ob man nun die blaue oder die Rote Kapsel nimmt.

(Mathias Bornemann)

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