Filmkritik - Room 237

Chronik eines Filmes, einer Vision
Unlängst wurde bekannt, dass Jack Nicholson seine Schauspielkarriere wahrscheinlich ausklingen lassen muss, was der Filmlandschaft wohl einem der eindrucksvollsten Darsteller des Gegenwartskinos berauben würde.
Ein herausragendes Beispiel seiner hohen Kunst war die Darstellung des Jack Torrance in "The Shining", von Stanley Kubrick. Dieser wiederum weilt seit 1999 gar nicht mehr unter uns, gilt jedoch nach wie vor als Visionär seines Faches. Zweifelsohne trifft dies auch auf seine 1980 erschienene Leinwandadaption, der gleichnamigen Romanvorlage von Stephen King, zu. Faszinierend, beängstigend, ja sogar verstörend wären treffende Umschreibungen. Mysteriös gewiss ebenfalls.
Doch wie viel mehr steckt unter der Oberfläche dieses geheimnisvollen Thrillers? Dieser Frage geht Dokumentarfilmer Rodney Ascher auf den Grund und fördert dabei allerhand Theorien zu Tage, die Kubrick als Überbringer unterschwelliger Botschaften geradezu "genialisieren". Mitunter schießen Ascher und die erzählenden wie auch interpretierenden Protagonisten seiner Doku, ihres Zeichens Filmexperten und Fans des „Meisters“ , jedoch auch über das Ziel hinaus. Wenn beispielsweise, wie bei vielen landläufigen Verschwörungstheorien, die vermeintlich inszenierte Mondlandung aufs Tapet gebracht wird, driftet der ansonsten äußerst sehenswerte "Room 237" doch etwas zu sehr ab. Auch andere statuierte Exempel wirken bisweilen geradezu hanebüchen, sind aber bei näherer Betrachtung nicht von der Hand zu weisen. Zumindest insofern nicht, dass Kubrick sich durchaus einer Metaebene in seiner Erzählweise bediente. Was davon nun gewollt, was Zufall und was einfach einer überbordenden Fantasie der Rezipienten entspricht, kann und soll hier nicht beurteilt werden.
In jedem Fall aber bereichert die Dokumentation das Universum des Betrachtens und Verstehens eines Kubricks ungemein.
Empfohlen sei in jedem Fall die vorherige aber zumindest die nachherige Betrachtung des Originals, auf dass die Erleuchtung komme oder aber das Unheil einfach nur seinen Lauf nehme, wie schon 1980 zu sehen war.

(Mathias Bornemann)

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