Filmkritik - Kind 44

(OT: Child 44)
USA, Tschechische Republik , Großbritannien , Rumänien 2015 (Thriller)
Regie: Daniel Espinosa
Darsteller: Gary Oldman, Tom Hardy, Joel Kinnaman, Noomi Rapace, Vincent Cassel, Xavier Atkins, Mark Lewis Jones, Fares Fares, Agnieszka Grochowska u.a.

Szenenbild aus dem Film Kind 44Der in Budapest vom schwedisch-chilenischen Regisseur Daniel Espinosa realisierte Streifen “Kind 44“ basiert auf dem Kriminalroman des britischen Schriftstellers Tom Rob Smith aus dem Jahr 2008. Inspirieren ließ sich der Autor vom authentischen Fall des ukrainisch-russischen Serienmörders Andrei Romanowitsch Tschikatilo, besser bekannt als die „Bestie von Rostow“. Am 14. Oktober 1992 wurde Tschikatilo aufgrund 53 nachgewiesener Morde (er selbst sprach von mindestens 56 Opfern) zu insgesamt 86 Jahre Haft und dreifacher Todesstrafe verurteilt. Das Urteil wurde schließlich am 14. Februar 1994 im Todestrakt des Gefängnisses von Nowotscherkassk durch Genickschuss vollstreckt. Bestsellerautor Tom Rob Smith verlegte seinen Debütroman “Kind 44“ in die frühen 1950-ger Jahre der stalinistisch geprägten Sowjet-Ära obschon Andrei Tschikatilos Gräueltaten tatsächlich erst Jahrzehnte später nach dem Fall des Eisernen Vorhangs aufgeklärt werden konnten. Anyway ...

Szenenbild aus dem Film Kind 44Leo Demidow ist als Geheimpolizist treuer Anhänger des kommunistischen Systems. Als die Leiche des kleinen Sohnes eines Offiziers aufgefunden wird und der Staatsapparat den Mord zu vertuschen versucht, kommt er ins Grübeln und beginnt peu à peu am Vorgehen der Sicherheitsbehörden zu zweifeln. Doch Verbrechen, etwa Kinder- bzw. Serienmord kann und darf es in einem totalitären Regime offiziell nicht geben. Dennoch häuft sich die Mordfall-Rate an Minderjährigen und die Ermittlungen wegen inzwischen 44 Opfern lassen aufgrund bestimmter Indizien auf einen Einzeltäter schließen. Demidows Vermutungen grenzen an Hochverrat, er gerät unter politischen Beschuss und sieht sich höchstgefährlichen Intrigen ausgesetzt.

Szenenbild aus dem Film Kind 44Die Ridley-Scott-Produktion mit seinen brutalen Szenen und klaustrophobischen Sequenzen lassen einen zwar von Zeit zu Zeit etwas schauern, aber sie vermag es nicht, den Zuschauer durchgehend mitzureißen. Ob Tom Hardy, Gary Oldman, Joel Kinnaman, Noomi Rapace oder Vincent Cassel, eine Riege die sich sehen lassen kann, doch weder durch seine Darsteller noch durch die Inszenierung gelingt es dem Film die Zuschauer in Begeisterungsstürme ausbrechen lassen. „Prädikat besonders wertvoll“ – die Frage sei gestattet, nur warum? Ein Tipp zum Schluss! Sehenswerter, unterhaltsamer und spannender war Chris Gerolmos TV-Movie zum gleichen Thema: “Citizen X“ aus dem Jahr 1995 und ebenfalls in Budapest gedreht. Die Besetzung um Stephen Rea, Donald Sutherland, Max von Sydow (erhielt damals u.a. den Emmy Award, Golden Globe Award, Edgar Allan Poe Award, etc.) machte seinerzeit einen ungleich besseren Job.

Falk Ch. Burhenne

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