Filmkritik - San Andreas

USA 2015 (Action/Drama)
Regie: Brad Peyton
Darsteller: Carla Gugino, Dwayne Johnson, Alexandra Daddario, Colton Haynes, Paul Giamatti, Kylie Minogue, Ioan Gruffudd, Will Yun Lee, Art Parkinson u.a.

Szenenbild aus dem Film San AndreasBeim Namensgeber dieses Films handelt es sich nicht um den „heiligen Andreas“, sondern um die „San Andreas-Verwerfung“, kurz den Andreasgraben, an dem auf einer Strecke von 1.100 Kilometern die Pazifische und die Nordamerikanische Platte aufeinander treffen. Dies sorgt in Regelmäßigkeit dafür, dass Kalifornien kräftig durchschüttelt wird. Und darum geht es auch in diesem Film. Nur diesmal schüttelt es ein bisschen mehr, sogar viel mehr! Also ein echter Katastrophenfilm – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn was einem hier ab der ersten Minute um die Augen und Ohren geballert wird, ist eine einzige Leistungsschau des technisch machbaren, in filmischer Hinsicht. Da werden komplette Skylines zu Flatlines zerbröselt, gigantische Kulissen zerfallen zu Schutt und Asche, als wäre King Kong schlecht gelaunt im Porzellanregal unterwegs. Und Monsterwellen donnern in die Städte, als hätte man ein C-Rohr an die Munddusche angeschlossen.

Szenenbild aus dem Film San AndreasWährend also auf der einen Seite eine Sturmflut an Actionbildern mit sensationellen Effekten auf den Zuschauer niederprasselt, dass einem der Unterkiefer unaufhaltsam in den Schoss rutscht, herrscht auf der anderen, der inhaltlichen Seite, eher Flaute. Oder anders gesagt: "Der Fünfjährige, der das Drehbuch geschrieben hat, war wohl nicht ganz nüchtern." Denn im Grunde genommen ist die sogenannte Handlung von "San Andreas" eine Sammlung der gängigen Klischees in Sache Katastrophenfilme: Einsamer Held, ein Rettungsflieger aus Überzeugung, hat trotz seiner Hingabe für seinen Beruf die eigene Tochter nicht retten können. Die Ehe ist im Dutt. Und nun, da ganz Kalifornien droht im Meer zu versinken, will er wenigstens sein anderes Töchterlein vor dem Schlimmsten bewahren. Und durch einen ... nein, eher dreizehn Zufälle, trifft er in dem ganzen Chaos zerberstender Großstädte und Millionen von Menschen, die versuchen zu fliehen auf seine Fast-Ex-Frau, die mit ihm zusammen auf die Suche nach der gemeinsamen Tochter geht, zu Wasser, zu Lande und natürlich in der Luft. Unterwegs merkt sie dann, dass ihr Fast-Ex-Gatte vielleicht doch gar nicht so ein Schlechter ist. Vor allem nicht im Vergleich zu ihrem neuen Schmusi, einen unglaublich reichen und mindestens genau so skrupellosen Bonzen, der ihre Tochter in größter Not hat hängen lassen.

Szenenbild aus dem Film San AndreasUnd auch der Rest an Charakteren und Handlungsbröckchen ist ähnlich grobmotorisch zusammen geklöppelt. Was man zum Glück bei dem Dauerfeuerwerk an spektakulären Action-Effekt-Szenen erst mal übersieht. - Die Frage ist nur, wie lange. Denn in der Regel wird es als Zeichen minderer Qualität gesehen, wenn man vor dem Abspann wegen geistiger Unterforderung einschläft. Aber bei dem Radau dürften selbst Koma-Patienten wieder wach werden. Und wenn man „nur“ zum Zeitvertreib ins Kino geht (was ja der eine oder andere schon mal macht), kommt man ganz gepflegt auf seine Kosten.

Peter Dickmeyer (MOV!E D!CK)

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