Filmkritik - Riddick

Ob das jetzt der erste, zweite oder dritte Teil von Riddick ist … ich meine, so in der Chronologie der Geschichte … Wer weiß es. - Ich jedenfalls nicht! Ist aber auch komplett egal. Denn im Grunde genommen passt dieser Teil genauso gut vor wie hinter „Pitch Black“ oder „Die Chroniken eines Kriegers“. Und auch Vorkenntnisse sind nicht zwingend notwendig.
So beliebig (oder sollte man besser „willkürlich“ sagen?) die Filme in ihrer Reihenfolge sind, genau so episodenhaft ist auch die Binnenstruktur dieser SciFi-Großproduktion. Denn es ist nur schwer zu übersehen, dass die Handlung an den Leveln einer späteren Spiele-Vermarktung ausgerichtet wurde. Und einen dramaturgischen Bogen, der den gesamten Film überspannt, scheint die Drehbuchautoren ein wohl überfordert zu haben.
Auch inhaltlich wird hier eher auf Standard als auf Experiment gesetzt. Denn mal wieder steckt unser Held im Viertelstunden-Rhythmus in Situationen, in denen jeder von uns innerhalb weniger Minuten schon vor lauter Hoffnungslosigkeit sterben wurde. Weil aber ein Riddick niemals verzweifelt (sonst würde er wohl eher von Woody Allen als von Vin Diesel gespielt werden), beißt, schießt und boxt sich unser Weltraum-Desperado durch alle galaktischen Hindernisse, die von Todesstrahlen, über Killer-Kreaturen bis zu Niedertracht und Verrat reichen. Dem armen Kerl bleibt einfach nix erspart.
Und auch wir Zuschauer bekommen die volle Packung an Schau-, Show- und Action-Werten um die Ohren und Augen gehauen, auf dass der Boh-Ey-Faktor über so manche Handlungslücke hinweg hilft. Und wäre er das Produkt einer pseudo-schottischen Buletten-Schmiede, dann wären jetzt „die großen Riddick-Wochen“: bewährte Inhaltsstoffe, allgemein verträglich, nicht zu speziell, nicht zu würzig, aber auch nicht zu lasch. Auf jeden Fall eine Vollbedienung der gängigen Erwartungen. Und das Ganze wird dann mit viel Tempo serviert und noch schneller verdaut. Also Genuss ohne Reue oder Langzeitwirkung.
Man kann über „Riddick“ sagen, was man möchte, aber nicht, dass er ein Film wäre, bei dem man niedlich friedlich wegnickert, da man der Tatsache, dass das angepeilte Zielpublikum eine Aufmerksamkeitsdauer im einstelligen Sekundenbereich hat, Rechnung getragen hat. (Na, schon ausgestiegen?)

(Peter Dickmeyer)

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