Filmkritik - Last Vegas

Plötzlich aus dem Nichts, ohne große Ankündigung und Tamtam tauchte dieser Film auf. Und dann gleich mit vier Schauspielern der Legenden-Liga: Robert DeNiro, Michael Douglas, Morgan Freeman und Kevin Kline. Jeder von ihnen hat mir schon mehr als ein Dutzend Mal einen grandiosen Kinoabend beschert. Und jetzt alle Vier zusammen in einem Film. Urteil vorweg: Der Hammer!

Weil aber Vorsicht die Mutter der Porzellankiste ist und einem leider die Erfahrung lehrt, dass die Klasse eines Kuchens nicht von der Anzahl der Kerzen abhängt, die darauf stehen, war auch ich mit Jubelstürmen erst einmal zurückhaltend. Zumal die Geschichte des Quartetts - vier in die Jahre gekommene beste Freunde wollen in Las Vegas einen Junggesellenabschied feiern - nicht gerade nach Originalitätspreis klingt. Schließlich durften wir uns in den letzten Jahren an drei Hangover-Filmen und einem „Brautalarm“ mehr oder minder erfreuen und das Thema ist damit eigentlich zur Genüge abgespeist worden. Andererseits verspricht die Besetzung in LAST VEGAS ein Menü das man durchaus mal probieren sollte.

Last VegasUnd was soll ich sagen, der Film ist eine Festmahl. Ich habe gelacht bis ich heiser wurde, geheult wie ein Hundebaby und bin auch noch das eine oder andere Mal schwer ins melancholische Grübeln verfallen. Beispielsweise wenn sich unsere vier Helden mit dem Älterwerden auseinander setzen, was übrigens immer mit einer ordentlichen Portion lakonischem Humors geschieht.

Und wo wir schon mal dabei sind; neben der schauspielerischen Klasse, sorgen vor allem die Dialoge für viel Heiterkeit. Diese Fülle an messerscharfen Pointen, dass man sich damit rasieren könnte, sind einfach das Beste, was seit langem über Schauspielerlippen perlen durfte.

Neben dem Dino-Quartett sind aber auch die anderen Rollen erstklassig gecastet. So zum Beispiel Mary Steenburgen, die in ihrer Rolle als Jazzclub-Sängerin auch gesanglich einiges zu bieten hat. Klar, auch sie ist schon doppelt so alt wie ihr Aussehen vermuten lässt, aber ihrer Ausstrahlung und ihrem zimtzartem Timbre kann man sich einfach nicht entziehen.

Unterm Strich, ist für mich das Filmjahr – zumindest was Komödien angeht – mit LAST VEGAS bereits auf seinem Höhepunkt angekommen. Was soll danach noch kommen?

Peter Dickmeyer (MOV!E D!CK)

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