Filmkritik - Grand Budapest Hotel

Grand Budapest HotelEs gibt Regisseure, die schaffen Bilder und Szenen für die Ewigkeit, die sich ins kollektive Langzeitgedächtnis einbrennen. Und es gibt Regisseure, so wie Wes Anderson, die diesen Effekt mit ganzen Filmen schaffen. Und wer auch nur einen der folgenden Filme gesehen hat - die „Royal Tennenbaums“, "Moonrise Kingsom", "Darjeeling Limited", „Die Tiefseetaucher“, "Der fantastische Mr. Fox" oder „Rushmore“ – ja der (oder die) weiß, was mit dem Wes-Anderson-Stil gemeint ist. Nämliche diese unnachahmlich schwerelose Mischung aus Komödie und Tragödie, in denen die skurrilen Geschichten und ihre nicht minder skurrilen Helden die Grenzen zwischen Lachen und Bangen verschwimmen lassen. Dazu kommt ein ausgeprägter Gestaltungswille in Kombination mit einem besonderen ästhetischen Empfinden, das die Filme wie ein lebendig gewordenes Puppentheater im Retrostyle aussehen lässt – kurz nachdem dort ein Altkleider-Container explodiert ist. Aber alles ist bis ins letzte Detail exakt durchkomponiert und es wimmelt nur so vor kulturellen Referenzen und Zitaten. Also ein hoher Feiertag für alle Cineasten.

Grand Budapest HotelAll das trifft auch auf GRAND BUDAPEST HOTEL zu, Wes Andersons jüngstem Werk. In dieser rosaroten Luxusherberge in einem nostalgisch-verkitschten Deutschland der frühen 30 Jahre werden der Concierge Gustave und sein glupschäugiger Hotelpage Zero sehr ungefragt zum Mittelpunkt einer irrwitzigen Gaunergroteske, in deren weiteren Verlauf auch eine greise Gräfin und ein humorloser Killer entscheidende Rollen spielen.

Grand Budapest HotelEin weiteres Standard-Element in allen Wes Anderson-Filme ist die enorme Stardichte. Will sagen, Anderson versammelt immer wieder sowohl quantitativ als auch qualitativ ein kaum zu toppendes Star-Ensemble vor der Kamera. Alleine deren Namen sollte man sich mal auf der Zunge vergehen lassen. Ich sag nur: Ralph Fiennes, F. Murray Abraham, Adrien Brody, Willem Dafoe, Jeff Goldblum, Jude Law, Bill Murray, Edward Norton, Hans-Martin Stier, Tilda Swinton, Tom Wilkinson und Owen Wilson. Aus Zeitgründen brech ich hier mal ab. Und das sind alles keine kleinen Gastauftritte, sondern vollwertige, markante Rollen, denen die genannten Schauspiel-Großkaliber ihren Stempel mit spürbarer Freude aufgedrückt haben.

Grand Budapest HotelUnd mittendrin als Spinne im Netz, als Strippenzieher, ist Wes Anderson. Er ist der Peter Pan des Kinos, der nicht nur in seinen Filmen in seiner ganz eigenen Welt lebt. Es ist eine Welt in die er sein Publikum entführt, diesmal ins GRAND BUDAPEST HOTEL, eine Welt, zu der wir ohne ihn keinen Zutritt hätten.

Peter Dickmeyer (MOV!E D!CK)

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