Filmkritik - 47 Ronin

In 47 RONIN geht es um … na, wer kommt drauf? … richtig, 47 Samurai. Das sind jene asiatischen Schwertkämpfer, die ihre Erben in den heutigen Küchenchefs diverser japanischer Restaurants gefunden haben. Aber im 17. Jahrhundert sind sie noch ausschließlich mit der Zubereitung feindlicher Truppen beschäftigt.

47 RONINUnsere 47 Samurai werden, nachdem ihr Fürst und Arbeitgeber durch eine heimtückische List zum rituellen Selbstmord gezwungen wurde, herrenlos und damit ehrlos und deshalb zu Ronin, die fortan als Vogelfreie in der Verbannung leben müssen. Aber wie japanische Samurai nun mal so drauf sind (selbst wenn sie nur Ex-Samurai sind) sie wollen ihre Ehre wieder haben. Und das geht am besten mit einem alten Hausrezept namens Rache. Doch dazu brauchen sie die Hilfe des Halbbluts Kai, den übrigens Matrix-Star Keanu Reeves spielt. Ihn finden sie in einer Arena, in der er sich als Kampf-Sklave verdingt, zum Amüsement der Gäste, aber auch um für sein Leben zu kämpfen. Nachdem sie ihn aus seiner Versklavung befreit haben  – natürlich mit viel Getöse - schließt sich Kai den Ronin an. Gemeinsam wollen sie nun die Festung ihres Feindes stürmen, um die Ehre des Fürsten wieder herzustellen. Doch ihr Weg – von dem niemand weiß, wo er enden wird - steckt voller Gefahren und fieser Gegner wie Drachen und Hexen.

47 RONINDie 47 RONIN sind so etwas wie Japans Nibelungenlied. – Eine berühmte Legende, so eine Art japanisches Volksmärchen, fast ein Staatsgründungsmythos, den so ziemlich jedes Kind kennt. Und damit hätte man schon mal den asiatischen Markt im Sack. Für das westliche Publikum wurde die Heldenrolle an Keanu Reeves vergeben, der sich in diesem Jahrzehnt bisher ja etwas rar gemacht hat. Die 47 RONIN sind ein Genre-Hybrid aus monumentalem Hollywood-Kino und fernöstlicher Kampf-Ästhetik. Zwar wurde der Stoff schon einige Male verfilmt, aber nun zum ersten Mal von Hollywood adaptiert.

47 RONINRegisseur Carl Erik Dinsch hat hauptsächlich dafür gesorgt, dass das fesselnde Epos in beeindruckende 3D-Bilder gegossen wurde, inklusive einer hübschen Auswahl an exotischen Fabelwesen. Die Schauspieler, allen voran Mister Reeves, spielen ihre Rollen mit schlafwandlerischer Sicherheit, so dass man geneigt ist zu sagen, sie hätten gar keinen Regisseur gebraucht. – Was natürlich nicht stimmt. Unterm Strich ist der Film eine gelungene Mischung aus schicksalsschwerem Drama, Effekt-Kino und Martial Arts-Movie. Also für jeden Geschmack was dabei. Nur jene, die sich hauptsächlich wegen Reeves schöner brauner Augen den Film ansehen wollen, seien gewarnt; ein „Happy End“ nach westlichen Kinomaßstäben gibt’s hier nicht.

Peter Dickmeyer (MOV!E D!CK)

Seitenanfang