Filmkritik - 00 Schneider 2 - Im Wenderkreis der Eidechse

Helge Schneiders (hoffentlich) letzter Wurf
Da hat die singende Herrentorte wieder mal einen richtigen Klops raus gehauen.: „Alle sind krank, nur ich nicht, weil ich barfuß laufe.“ Deutschlands derzeit beliebtester Pop-Star gibt sich gern rustikal. Sollte man also zwingend alternative Gesundheitsformen in Betracht ziehen, nur weil`s Helge die Socken auszieht? Dagegen spricht, dass auch Totalbekleidete inzwischen längst mehr bieten, als der verquere Fitze Fitze Fatze – Macher (1997). Mag seine neue CD auch die Charts stürmen, dem bald startenden (fünften) Kino-Werk des Multitalents dürfte hingegen das untere Ende der Rangliste sicher sein.
Konnte sich Schneiders cineastische Kreativität bislang auf ein Mindestmaß schrulliger Eingebungen stützen, so leistet der Meister geistiger Querschläger mit „Im Wendekreis der Eidechse“ den künstlerischen Offenbarungseid. Das will in einem Land, dessen Filmkultur nicht zuletzt dank üppiger Fördermittel der völligen Bedeutungslosigkeit anheimgefallen ist, etwas besagen. Was erlauben Helge Schneider? Lag die Messlatte bei seinen visuellen Hervorbringungen bislang nicht ohnehin extrem niedrig? Dieser Wendekreis stand ganz sicher nicht unter dem Einfluss origineller Ideen. Vermutlich sparte sich der Hauptdarsteller und Regisseur in Personalunion auch noch das Drehbuch - nach der viel belachten Devise: „Ich hab nichts vorbereitet........damit nichts schief gehen kann“ (Lecker Tee). Und wie es schief ging. Ein Stoff, aus dem die Kalauer sind, bar jedweden Einfalls, zusammen-improvisierte Witzeleien – der Schlag ins Kontor erwartungsfroher Fans kann kaum heftiger sein.
Schlimm, dass ausgerechnet die Kultfigur des Ruhrpotts derart phantasielos Förder- also Steuergeld verplempert; seht her, ich kann`s nicht, aber lasst mich doch meinen eigenen Abgesang inszenieren! Die Gebrauchsanweisung liefert der alte Jazzer gleich mit: „.......scheiß ihm in den Stiefel, scheiß sie ihm randvoll kaputt“ (Texas). Und auf TV-Beiträge bezogen: „... wie man das aushalten, ja sogar freiwillig einschalten kann, ohne sich hinterher sofort umzubringen (oder zumindest andere), werde ich nie begreifen.“ Ja Helge, wo du Recht hast, hast du Recht. Auf diesem Level kommen wir uns auch näher. Nur – wie verträgt sich der quasi philosophische Gedankenfluss mit deiner 00-Nummer als Demolition Man des Genres? Schick bitte den Klamauk-Kommissar samt seinem Schöpfer in Rente – beide haben mich bitter enttäuscht.

Martin Graetz

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