DVD Tipp - Utopia – Staffel 1

Blu-ray Cover aus der Serie UtopiaGB 2013 (Action, Drama, SciFi)
Regie: Marc Munden
Darsteller: Nathan Stewart-Jarrett, Paul Higgins, Fiona O’Shaughnessy, Adeel Akhtar, Oliver Woolford, Alexandra Roach, Neil Maskell, Emilia Jones, Alistair Petrie, Ruth Gemmell, Geraldine James u.a.
Veröffentlichung: DVD / Blu-ray 27. März 2015 (Polyband)
Sprache: Deutsch (DTS-HD 2.0), Deutsch (DTS-HD 5.1), Englisch (DTS-HD 2.0), Englisch (DTS-HD 5.1)
Spieldauer: 316 Minuten

Szenenbild aus der Serie Utopia – Staffel 1Wenn man den häufig inflationär benutzten Begriff Kult einmal sorgenfrei verwenden kann, dann wohl bei der britischen TV-Serie des Privatsender Channel 4. Die erste Staffel, die frisch auf DVD erschienen ist, wird als „Akte X auf Acid“ beworden. Und auch wenn das auf den ersten Blick arg reißerisch daherkommt, ist die Aussage ein Fakt. Denn es geht um nicht weniger als eine weltumspannende Verschwörung, Genmanipulation, politische Vertuschung, kaum noch menschliche Killermaschinen und eine geradezu erschütternd mächtige Organisation mit dem Namen „The Network“.

Szenenbild aus der Serie Utopia – Staffel 1Alles beginnt bezeichnenderweise in dem Laden „Doomsday Comics“, als ein Mörder-Gespann auf der Suche nach dem Manuskript zu dem zweiten Teil des Graphic Novels „Utopia“ gnadenlos Mitarbeiter und Besucher auslöscht. Ein sinnloses Schlachten, denn das gesuchte Comic befindet sich bereits in den Händen eines Sammlers, der seine Neuerwerbung auf einem Treffen mit gleichgesinnten „Nerds“ präsentieren möchte. Aber die Killer sind ihm bereits auf der Spur und so finden sich die anscheinend harmlosen Fans in den Fängen einer allmächtigen Organisation wieder. Ohne zuviel von der sich ganz gemächlich entfaltenden Geschichte zu verraten: „Utopia“ ist der Schlüssel zu einer unglaublichen Verschwörung bei der es um die genetische Auslese der Weltbevölkerung geht.

Szenenbild aus der Serie Utopia – Staffel 1Neben der bis zur letzten Folge mit Wendungen vollgepfropften, und durch das kleckerweise Enthüllen (siehe der Akte X-Vergleich zu Beginn) von immer verrückteren Details auf Dauerspannung getrimmten Story, stechen zwei weitere Aspekte erfreulich aus dem Serieneinerlei der aktuellen TV-Produktionen heraus. Zum einen die einzigartige optische Präsentation aus Widescreen-Aufnahmen und übersättigten Farben, die den sorgfältig komponierten Szenen oftmals einen surrealen Anstrich verpasst. Zum anderen die Wahl der Darsteller, die genügend Zeit bekommen sich mit ihren ausgearbeiteten Charaktereigenschaften und glaubhaften Beweggründen mitten ins Herz des Zuschauers zu spielen. Hier kann man sagen, dass man sich für das Handeln und das Schicksal der Protagonisten, und auch der wirklich satanisch herüberkommenden Antagonisten, wirklich was schert. Allein die wandelnde Tötungsmaschine Arby (Neil Maskell) beherrscht mit seinem lakonischen Auftreten jede Szene.

Szenenbild aus der Serie Utopia – Staffel 1Apropos Töten: Die nicht mit öffentlichen Geldern produzierte Serie, schert sich wenig um gängige Konventionen und liefert in jeder Folge einige akzentuierte Gewaltmomente. Kopfschüsse, ausgiebige Foltereinlagen, aufgeschnittene Kehlen: Die Gewaltausbrüche erfolgen häufig ansatzlos und machen weder vor Kindern, noch liebgewonnenen Charakteren, halt. Kurze Schockmomente, die in der ansonsten angenehm entschleunigten Erzählweise  blutige Akzente setzen, aber nie gewollt wirken, sondern geradezu notwendig für die Fortführung der Handlung erscheinen. Nach sechs Folgen, die sich am besten an einem Wochenende am Stück konsumieren lassen, ist erst mal Schluss mit Verschwörung. Aber die Geschichte der sorgsam eingeführten Charaktere hat glücklicherweise noch kein Ende. Die zweite Staffel, in Deutschland auf RTL Crime versendet, bietet dann mehr Hintergründe zu den Anfängen der Utopia-Geschichte. Eine weitere Fortsetzung wird es in Großbritannien leider nicht geben. Aber David Fincher, der sich als Utopia-Fan bezeichnet, bereitet eine Amerikanisierung des Stoffs für den Sender HBO vor. Man wird sehen.

Ulrich Wimmeroth

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