DVD Tipp - Der Richter - Recht oder Ehre

(OT: The Judge)
USA 2014 (Drama)
Regie: David Dobkin
Darsteller: Robert Duvall, Robert Downey Jr., Leighton Meester, Vera Farmiga, Billy Bob Thornton, Vincent D'Onofrio, Jeremy Strong, Emma Tremblay, Balthazar Getty, Grace Zabriskie u.a.
Veröffentlichung: DVD/Blu-ray 26. Februar 2015 (Warner)

Szenenbild aus dem Film Der Richter. Recht oder EhreDirekt vorweg gesagt, Der Richter. Recht oder Ehre ist nicht wie der Trailer vermuten lässt ein Krimi oder Gerichtsthriller sondern vorwiegend ein Familiendrama. Die Kluft innerhalb der Familie, die schwelenden und unausgesprochen Probleme, gegenseitige Enttäuschungen, all das sind die Hauptthemen in diesem Film. Dessen wird der Zuschauer bereits nach kurzem Einstieg gewahr, in dem die Ehekrise von Hauptfigur Hank Palmer (Robert Downey Jr.) beleuchtet wird. Der erfolgreiche Großstadt-Anwalt, sichtlich von arroganter und selbstherrlicher Natur, muss auf Grund des Todes seiner Mutter die Reise in die provinzielle Heimat antreten. Das erste Wiedersehen mit seinen Brüdern offenbart, dass Hank sich schon seit längerem von der Familie distanziert hat. Während der etwas zurückgebliebene kleine Bruder Dale (Jeremy Strong), in der Stunde der Trauer, eher zaghaft seine Freude zu erkennen gibt, könnte das Gespräch mit dem älteren Bruder Glen (Vincent D´Onofrio) kaum banaler und nichtssagender verlaufen. Noch brutaler von der Wirkung ist dann die Begegnung mit dem Vater, der fast allgegenwärtig nur Richter genannt wird. Dieser würdigt seinen Sohn nur eines eindringlichen Blickes der Verachtung und verdeutlicht damit den Vater-Sohn Konflikt innerhalb der ersten zehn Minuten. Dies bildet auch die Hauptgeschichte des Filmes, um die herum eine Mordanklage gegen den Richter als Rahmenhandlung angelegt ist. Kurz nach der Beerdigung seiner Frau trifft dieser auf einen ehemals von ihm verurteilten Mörder, der nach Abbüßung seiner Straftat wieder auf freiem Fuß ist. Tags darauf wird dieser tot aufgefunden, offensichtlich von einem Auto angefahren. Die Tatwaffe wird alsdann schnell ausfindig gemacht. Es ist das Auto des Richters. Sichtlich verbeult und mit Blutspuren des Opfers versehen, ist die Beweislast erdrückend. Die resultierende Frage des Gerichts, die es zu nun klären gilt, ist: War es ein Unfall mit Fahrerflucht oder war es gezielter Mord? Gegen den Willen seines Vaters, will Hank sich der Verteidigung annehmen. Doch diese Hürde ist nur eine der vielen noch folgenden.

Szenenbild aus dem Film Der Richter. Recht oder EhreRegisseur und Drehbuchautor David Dobkin begibt sich in seinem filmischen Schaffen erstmals auf völlig neues Terrain. Bislang fast ausschließlich Komödien zugetan, die kaum mehr waren als durchschnittliche Unterhaltungsmassenware, gelingt ihm mit Der Richter. Recht oder Ehre ein eindrucksvoller Einstieg in das Genre des Dramas. Unaufgeregt in der Inszenierung, liegt hier der Fokus auf die Figurenzeichnung und deren Interaktion miteinander. Mit schauspielerischen Glanzleistungen der Darsteller, allem voran Robert Duvall, ist so ein atmosphärisch dichter Film gelungen, der tiefliegende Emotionen herausarbeitet und ebenso beim Zuschauer anspricht. Abseits der Rahmenhandlung, die dezent einen Spannungsbogen aufbaut, stehen hier die inneren Konflikte der Protagonisten im Vordergrund. Hank beispielsweise stellt einen Charakter dar, der zwar weiß, dass einiges im Argen liegt, indem er seine Gefühlswelt jedoch vergräbt, schafft er es eine emotionale Distanz aufzubauen. Ähnlich verhält es sich auch bei seinem Umfeld, den Brüdern, dem Vater und der ehemaligen Jungendliebe Samantha (Vera Farmiga). Alle Personen halten ihre wahren Gefühle unter der Oberfläche zurück, die vielfach auf Unverständnis und Enttäuschung beruhen. Interessanterweise und dies ist erfreulicherweise sehr abwechslungsreich im US Kino, bedarf es hier aber keiner Therapie der Protagonisten. Dobkin lässt diese verbal aufeinander treffen, miteinander streiten bis hin zu handgreiflich werden, um damit den entscheidenden Knoten zu lösen, füreinander Verständnis zu zeigen. Und schlussendlich gelingt dies dem Regisseur ohne eine allzu klischeehafte Auflösung der Geschichte. Einige Konflikte werden gelöst, andere bleiben offen, wieder andere lassen sich nicht mehr lösen, weil der Konfliktpartner nicht mehr unter den Lebenden weilt. So gesehen ein äußerst menschlicher und ehrlicher Film.

Szenenbild aus dem Film Der Richter. Recht oder EhreOb diese Art von Film nun zwingend in die heimische DVD Sammlung gehört, muss jeder für sich selbst entscheiden. In jedem Fall ist es ein überdurchschnittlich guter Film, mit großartigen darstellerischen Darbietungen und einem grundsätzlichen Thema das nicht typisch amerikanische Befindlichkeit widerspiegelt. Für Liebhaber von Zusatzmaterial sei noch erwähnt, es befinden sich ein gut 20 minütiges Making-of auf der Blu-ray sowie entfallene Szenen, die sich in einer längeren Schnittversion nahtlos in das Geschehen eingliedern würden.

Mathias Bornemann

Eine weitere Filmkritik zu Der Richter. Recht oder Ehre findest Du hier.

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